Assisi = Bruder Thomas und Franziskus

Nun, haben wir den ganzen Tag in dieser unglaublichen Stadt verbracht. Zweifellos ein Highlight ist, Bruder Thomas Freidel, dem deutschsprachigen Seelsorger und Verantwortlichen für die Kunstführungen in der Basilika, zu lauschen. Er hat mir schon so viel über das Leben, die Bedeutung von Religion, Unendlichkeit, Wahlfreiheit des Menschen gelehrt, wie es noch niemand getan hat. Die Art, wie er mich (und natürlcih alle, die ihm lauschen) in seinen Bann zieht, sucht seinesgleichen.

Aber von vorne. Seine Führung beginnt in der Unterkirche bei einem frühen Fresko des Franziskus, wie er die Tauben füttert. Man sieht, dass er sie füttert. Aber es deutet auf die Schöpfung hin. Die Schöpfung allen Lebens. In der Oberkirche sieht man ein Fresko von Adam und Eva, wie sie in Eintracht mit Gott leben. Aber die Vertreibung aus dem Paradies folgt. Dies interpretiert Bruder Thomas, dass der Mensch sich entschieden hat (oder immer entscheiden kann), ohne Gott zu leben.

Darum ist diese Sehnsucht in uns, die jeder spürt und die sich in unterschiedlichster Weise und individuell ausdrückt. Im Prinzip sei es die Sehnsucht nach Gott. (Für mich eine der plausibelsten Erklärungen für die ungestillte Sehnsucht in mir, denn nichts, was ich bis jetzt – materiell – erlebt habe, konnte sie zum Stillstand bringen..)

Franziskus wird als Stütze und Erneuerung der Kirche dargestellt. Vielleicht, und das ist jetzt meine Interpretation, brauchte die Kirche damals dringend eine Erinnerung an den Ursprung ihres Sinnes, denn Päpste und der Kirchenstaat hatten sicher durch ihre unermesslichen Reichtümer (zu sehen in Rom) den Blick für die Menschheit und Menschlichkeit mehr oder minder aus dem Auge verloren. Franziskus hat sie ein Stück dorthin zurückgeführt, aufgerüttelt, ja, beeindruckt.

Ich maße mir natürlich nicht an, es zu wissen. Es ist meine Auffassung der Dinge, in aller Kürze dargestellt. Allerdings beeindruckt es mich immer wieder, wie stark Franz von Assisi gewirkt haben muss, dass Assisi das ist, was es heute ist. Besonders berührend ist es, dass eine riesige Kirche über die kleine Kapelle gebaut wurde, in der Franz von Assisi starb und drumherum eine eigene Infrastruktur entstand.

Ein Kommentator meinte, man müsse Assisi als Gesamtes betrachten. Ja, das ist richtig. Aber darüber hinaus muss man auch die Botschaft verstehen lernen, die dieser Heilige trägt. Das kann man nicht nur in einem Assisi-Besuch erfahren. Man muss raus in die Natur, Schwester Sonne und Bruder Regen spüren und den Bruder Wind lieben. Und mit der Natur und den Menschen im Einklang zu leben versuchen.

Zu dem Wunsch, der Nachfrage, was nach dem großen Erdbeben mit den Fresken etc. passiert ist: Es sei nicht alles zerstört worden, wie die Medien es immer darszutellen versuchen. Es ist ein Fresko von Matthäus und eines Giotto (war nur eine blaue Partie) zerstört worden. Durch die neue Technik, alles aufzuklauben und in mühevoller Kleinarbeit durch ein spezielles Verfahren, wieder zu rekonstruieren, konnte Matthäus zu 20% wiederhergestellt werden. Der Rest ist grau(ist aber erstaunlich wenig grau). Das blaue Fresko wurde einfach wieder blau gestrichen. Der komplett zerstörte Altar (er wurde durch den Gewölbeeinsturz plattgedrückt) wurde nach Ravenna in ein spezielles Institut für Mosaik gebracht und komplett rekonstruiert.

Ansonsten werden generell beschädigte Fresken nach dieser Methode repariert und nur im äußersten Notfall mit spezeiellen Aquarellfarben ergänzt.

Das beste Eis, Geli, gibt es in Assisi auf der Piazza, und der schönste Mann auf Erden, hat mich heute vor 12 Jahren geheiratet.

Hotelübernachtung kann ich morgen als Kommentar hinterlassen. Wir möchten auf unserer Reise wenigstens Abends unsere Privatsphäre schützen.

Das wars von Assisi, morgen geht es weiter ins Weinland Montefalco.

(P.S. In der Basilika ist striktes Fotografierverbot. Die Bilder entstanden auf der Galerie im Kloster)

San Damiano

ist ein für die Franziskusgeschichte ein bedeutender Ort. Unterhalb der Stadt liegt das kleine Kirchlein, in der Franz die Worte Jesus vom Kreiz aus vernahm. „Baue meine Kirche wieder auf“. Damals war die Kirche verfallen, heute ist ein bescheidenes Kloster drumherum gebaut, das Kreuz von damals hängt als Kopie in der Kirche. Es ist ein besinnlicher Ort, die Vögel zwitschern in den Olivenbäumen und es ist herrlich still.

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Abschied ist ein bisschen wie Sterben…

… Abschied heißt, was Neues kommt! Abschied heißt „Hallo“!

Diese beiden Sätze treffen auf Toni bzw. mich zu, wenn es um Abschied geht. Toni tut sich schon sehr schwer, wenn er etwas loslassen muss, eine Stadt verlassen, den Urlaubsort, Menschen verabschieden. Das stimmt ihn tatsächlich traurig. Und manchmal beißt er sich in diesen Augenblick fest und bleibt sehr lange traurig und versäumt vielleicht den nächsten guten. Bei mir ist es etwas anders. Zwar bin ich ebenfalls traurig, wenn mein Leben anders wird, aber ich denke mir, das Leben, die Augenblicke gehen ja weiter, wer weiß, vielleicht wartet ein noch besserer, ein anderer Augenblick auf mich, der Neues bringt. So zitieren wir uns, seit wir uns kennen, wenn es um Verabschiedung geht, immer mit diesen berühmten Ausschnitten aus den diversen Liedern.

(„Abschied ist ein bisschen wie Sterben“ Katja Ebstein)

(„Abschied heißt, was Neues kommt, Abschied heißt Hallo!“ Aus dem Musical „Der kleine Tag“)

Montefalco – Weinland, St. Chiara und Hesse

Der Regen hat uns nicht nach Spoleto weiterfahren lassen. So trug es sich zu, dass wir Emanuelas B&B in Montefalco ansteuerten. Ich liebe diese Frau, sie ist quirlig und lebensfroh, wird sie doch bald 68. Sie scherzt immer noch, dass wir sie 2008 in unserem Roman „Leben atmen“ auf „Anfang 50“ geschätzt hatten. Aber es stimmt! Sie sieht nicht nur gut aus, sie hat das Temperament einer jungen Signora.
Sie ist erbost, weil sie seit ein paar Tagen einen Starkoch für ihr Ristorante gewinnen konnte, er hat so etwas wie den Michelin Stern, aber in italienischer Kategorie. Er kocht wohl auch im Fernsehen und heute, am Montag, ist er just in Rom für Dreharbeiten und das Restaurant hat Ruhetag. Und wir können nicht bleiben! Was für ein Jammer. Das ist vielleicht wirklich ärgerlich, aber wir müssen ja mal in Palermo ankommen.
Nebenan bei dem B&B ist die Kirche Illuminata zu bewundern, deren besonderes Licht bei Abendsonne ihr den Namen gegeben hat. Hier hat auch Hermann Hesse gesessen, vermutlich den tollen Montefalco-Wein genossen und sich von dem Örtchen inspirieren lassen, als er 1907 hier zum ersten Mal war.
Für mich als Weinliebhaber ist das nicht der schlechteste Ort, bei Regen zu „stranden“!

Tagesetappe: 24.06.2013

Tag Höhe ↑ (in m) Höhe ↓ (in m) Strecke (in km)
24.06.2013 535 431 40,51