Tagesetappe: 26.07.2012

Tag Höhe ↑ (in m) Höhe ↓ (in m) Strecke (in km)
26.07.2012 0 0 0,00

Da, hier und weg

Das ist unser Los – ankommen, anschauen und dann wieder weiterreisen. Manchmal habe ich das Verlangen, länger zu bleiben. Aber dann sehe ich wieder das Ganze und denke mir, es kann auch woanders schön sein.
Wir sind jeden Tag nur kurzfristige Gäste an diesem oder jenem Ort und versuchen, uns ein Bild davon zu machen.
Manchmal ist es nur ein Mensch, der für uns wichtig ist und schon ist der Ort, die Gegend für uns wunderbar. Und auch das gibt es: ein unfreundlicher Mensch vermiest uns die Ankunft und dann wollen wir alsbald weiter.
Ich fühle mich bisweilen sehr unstet, jeden Tag woanders zu sein. Aber es ist eben auch interessant und spannend, sich jeden Tag neu auf den Weg zu machen.
Manches Mal kostet das auch richtig Kraft und Überwindung, wieder loszulassen und weiterzuradeln.
Es ist ein wenig so wie im Leben – festhalten geht einfach nicht. Jeder Augenblick ist für sich und nie wiederbringbar. Einzig das Jetzt ist faßbar.
Das spüren wir auf der Reise sehr intensiv.
Und die Reise ist eben auch nur Bestandteil unseres Lebens – einmalig und nicht wiederholbar.

Wir stehen in der ersten Reihe

Und warten auf das Fährschiff hinüber nach Afrika. Es war ganz schön anstrengend im Hafen von Algeciras den Zugang zum Schiff zu finden. Aber jetzt haben wir es geschafft und warten gespannt auf das Ablegen des Bootes. Wir hoffen in Marokko auch mal wieder ans Internet zu kommen und von der Ankunft berichten zu können.

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Tagesetappe: 27.07.2012

Tag Höhe ↑ (in m) Höhe ↓ (in m) Strecke (in km)
27.07.2012 1.323 1.324 160,57

Marokko – 1.Tag

Jetzt ist es hier 19.37 – die Marokkaner beginnen zu essen. Die Sirenen laufen, der Muezzin singt und es wird wieder lebendig hier. Aber der Reihe nach..
Ich hatte nicht erwartet, daß wir von Gibraltar nicht übersetzen können – ist aber so. Alle Fähren fahren von Algeciras. Also sind wir morgens von Gibraltar erstmal dahin geradelt – 30 km. Dann fahren die Fähren nicht nach Tanger – sondern nach Tanger Med. Das ist ca. 45 km ostwärts von Tanger. Na klasse…
Aber immerhin haben die einen kostenlosen Bustransfer eingerichtet, um rasch von Tanger Med nach Tanger zu gelangen.
In Tanger – ups – der Wahnsinn. Wir haben es mit dem Radl geschafft, da wieder rauszukommen – eine Meisterleistung an sich.
Dann fuhren wir auf der zweispurigen stark befahrenen Straße in Richtung Rabat. Zum Glück gab es dann im weiteren Verlauf die „ruhigere“ Straße nach Asilah, wo wir am Meer entlang fahren konnten.
Und es ist Ramadan – d.h. es ist außergewöhnlich ruhig. Wir haben uns just wegen des Fastenmonats für die Küste zuungunsten der Inlandsroute entschieden. Aber wirklich los ist hier auch nichts gewesen.
Überhaupt wirkt es in der Summe sehr westlich – Märkte wie Metro, die Burgerbäcker Mc Donalds und Burgerking sind hier und auch die Neubauten orientieren sich stark am westlichen Baustil. Selbst die Fahrzeuge auf den Straßen lassen nicht vermuten, daß man in Afrika ist.
Wir müssen hier noch ankommen – das jedenfalls ist unser Fazit nach dem ersten Tag.

PS: Heute ist für uns ein langer Tag – in Marokko mußten wir die Uhr um 2 Stunden zurückstellen 🙂

Ramadan und Schweinsteiger

Wir kennen den Fastenmonat Ramadan aus der Türkei. Aber hier in Marokko scheint es, wird die Sache viel ernster genommen. Untertags ist kaum jemand auf der Straße. Zu Essen und zu trinken bekommt man nur an einigen ausgewählten Stellen. Zum Glück ist Asilah bislweilen von Touristen besucht und so herrscht doch etwas Leben in der Stadt.
Die Marokkaner haben auf Energie sparen umgeschalten. Alle bewegen sich kaum und wenn dann – sehr langsam. Es gilt die Zeit „totzuschlagen“ bis es abends wieder etwas Nahrung gibt.
So auch der Frisör: Langsam und bedächtig kümmert er sich um jedes meiner Barthaare. Gleich dreimal werde ich eingeseift und wieder von neuem rasiert.
Aber: Er ist mit voller Konzentration dabei. Das ist es, was ich an den moslemischen Ländern generell so mag – für die Menschen ist der Mensch das Wichtigste. Oder wie ich immer sage: Erst kommt der Mensch und dann die Regel. In Deutschland bzw. Europa finde ich, ist es eher umgedreht – erst die Regel und dann erst der Mensch.
So also sitze ich beim Frisör und lasse meine eh kurzen Bart auf Vordermann bringe und bin mir dabei der vollen Aufmerksamkeit des Frisörs bewußt. Er tut nur dies und das mit voller Hingabe. Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden. Wir in Europa tun meist mehrere Dinge gleichzeitig. Vieles entgeht unserer Aufmerksamkeit. Ich war neulich in Köln in der Straßenbahn. Lauter junge Menschen, die auf Ihrem Smartphone rumtippen, über den Ohrstöpsel Musik hören und nebenbei noch eine Zeitschrift durchblättern. Einzig wer neben ihnen sitzt, könnten sie nachträglich nie sagen.
Hier fühle ich mich wahrgenommen und das ist sehr gut.
Darum liebe ich es, in der Türkei Urlaub zu machen – dort geht es mir ähnlich.


Leider klappts mit der Kommunikation beim Frisör nicht so gut. So tauschen wir also Fußballernamen aus. Messi, Ronaldo, Maradonna (der spielt zwar schon seit gefühlten Jahrhunderten nicht mehr Fußball, scheint hier aber noch sehr präsent zu sein) – und Schweinsteiger…. Und mit Schweinsteiger kann ich keinen Treffer landen. Den kennt er einfach nicht.
Und jetzt weiß ich, daß ich schon weit weg von zu Hause bin. So weit sogar, daß man Schweinsteiger nicht mehr kennt…

Nach 5 Wochen

Wir sind ja nun 5 Wochen unterwegs und haben viel gesehen, viel erlebt und schon etliche Länder bereist. Doch einige Dinge fehlen mir allmählich:

1. Ich finde es einfach spitze, daß ich in Deutschland das Wasser aus der Leitung trinken kann – immer und überall. Und jeder Schluck schmeckt soviel besser wie jedes Wasser in den Plastikflaschen, das man zu kaufen bekommt.

2. Mir fehlt die Verständigung über die Sprache. Wir kommen mit englisch, ein Paar Brocken französich und noch weniger spanisch gut voran, aber eine echte Unterhaltung kommt nirgends zustande. Oft würde mich so Vieles interessieren, aber wir können es nicht in Erfahrung bringen.

3. Regen und die Farbe grün: Seit 2-3 Wochen wird die Landschaft sukzessive karger. Mal wieder sattes Grün sehen und Regen spüren – das wär schon was. Ja – ich weiß – zu Hause hat es meist viel zu viel Regen. Aber jetzt wäre mir die Abwechslung mal wieder ganz recht.

4. Monotonie: Nahezu jeden Tag sind wir nun woanders gewesen. Immer unterwegs – immer auf neue Gegebenheiten müssen wir uns einstellen. Allmählich wäre etwas Stabilität nicht schlecht. Vielleicht ist Monotonie dahingehend etwas übertrieben formuliert. Einfach etwas weniger Abwechslung und tägliche Herausforderung bzw. ständige Unsicherheit – das wäre schon mal ganz angenehm.