Tag | Höhe ↑ (in m) | Höhe ↓ (in m) | Strecke (in km) |
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29.07.2012 | 432 | 400 | 45,30 |
Archiv des Autors: amac-buch
Einfahrt in Larache
Sich wohlfühlen
Sich wohlfühlen
Nein – wir fühlen uns hier in Marokko noch überhaupt nicht wohl. Der Gipfel war Larache – es ist elend dort: es stinkt, es ist dreckig, die Stadt ist heruntergekommen, die Menschen sind lustlos bis unfreundlich.
Es ist nicht Ramadan-totenstill hier. Es wird Ware feilgeboten, es wird gekauft, es wird gehandelt. Aber es ist wohl ruhiger, als zu nicht Ramadan-Zeiten.
Aber das ist es nicht. Wir sitzen in einem Cafe – ohne Kaffee. Wir schauen hinaus auf das Meer. Die jugendlichen Männer sitzen herum, schlagen die Zeit tot. Wo sind die Frauen?
Es ist ihnen langweilig – elend langweilig. Wir spüren dies und uns geht es ähnlich. Wir schlagen die Zeit tot. Es gibt nichts zu sehen, nichts zu erleben. Es ist einfach nur fürchterlich langweilig.
Und es ist erschreckend arm hier. Nahezu alle Häuserfassaden zerfallen, es ist unaufgeräumt, überall liegen Dinge rum. Es stinkt.
Und was das allerschlimmste ist: die werfen ihren Müll einfach über die Brüstung auf die Küste vor dem Meer. Da fehlen mir die Worte.
Warum fühlen wir uns nicht wohl? Wir reden ständig drüber und sind uns einig, daß die Menschen trotz Ramadan auch netter sein könnten. So waren wir eben im Internetcafe. Eine verschleierte junge Dame hat uns den Platz zugewiesen und später abkassiert. Die hat keine Miene verzogen. Nein es war fast so, als würde Sie auf unser Geld spucken wollen – so abweisend.
Wir respektieren den Ramadan – keine Frage. Wir essen und trinken nicht in der Öffentlichkeit. Nein – wir tun es im Hotelzimmer, daß sich keiner gestört fühlt. Wir geben uns nicht intolerant, werden aber so behandelt.
Während Asilah gestern noch Touristen hatte, ist es hier touristenlos – vollkommen.
Wir merken nichts vom orientalischen Leben.
Menschenmenge am Hassan-Tor in Rabat
Tagesetappe: 30.07.2012
Tag | Höhe ↑ (in m) | Höhe ↓ (in m) | Strecke (in km) |
---|---|---|---|
30.07.2012 | 1.742 | 1.749 | 192,57 |
Sich Wohlfühlen II
Als ich vor einigen Tagen sagte, daß wir uns hier noch nicht wohlfühlen, habe ich weiter nachgedacht, was denn notwendig ist, damit ich mich wohlfühle.
Nun – es ist in jedem Fall ganz wichtig, daß es irgendwie sauber und ordentlich ist. Das ist hier in Marokko oftmals nicht der Fall. Der Müll (vor allem Plastikmüll) liegt einfach so herum, des öfteren sind es dann auch organische Sachen, die dann alsbald zu riechen anfangen. Leider sind oftmals die Toiletten nicht gereinigt. Seltsamerweise ist das in muslimischen Ländern öfters der Fall. Warum es gerade dort immer schmuddelig ist, entzieht sich meiner Kenntnis. In Spanien, Frankreich, etc. war alles stets perfekt gepflegt und das stille Örtchen war überall „besuchenswert“.
Damit ich mich wohlfühle, benötige ich auch Natur. Einige Tage in der Stadt sind ok, aber dann brauche ich wieder etwas Grünes oder Blaues (Meer). Sonst geht es mir nicht gut.
Und der Kontakt zu den Menschen ist mir wichtig. Ich möchte „gut“ behandelt und respektiert werden. Ich bin höflich, grüße und versuche in der Landessprache zu kommunizieren – so gut es eben geht. Und dann freue ich mich über ein Lächeln des Gegenüber, der mein Bemühen sieht und sich eben freut.
Zudem will ich vernünftig Essen und Trinken können. Vor allem nach dem Radfahren brauche ich gesunde und kräftige Nahrung, damit es am kommenden mit Kräften weitergehen kann.
Also eigentlich sind es nicht viele Dinge, damit es mir gutgeht.
Was braucht ihr, um Euch in einem anderen Land bzw. auf Reisen wohlzufühlen?
Update der App „Leben atmen“
Tagesetappe: 02.08.2012
Tag | Höhe ↑ (in m) | Höhe ↓ (in m) | Strecke (in km) |
---|---|---|---|
02.08.2012 | 1.770 | 1.264 | 302,56 |
Jedes Ende hat einen Anfang
Wir sind auf den letzten Kilometern. Wahnsinn! Als wir begannen, die Tour zu planen, war das Ziel – Marrakesch – noch unendlich weit weg. Jetzt ist es fassbar. Ein gutes Gefühl.
Wir haben noch knapp 40 km vor uns und das sollten wir am Freitag schaffen.
Ich denke zurück an die Tour: Für uns waren die vergangenen sechs Wochen wie eine halbe Ewigkeit. Wir haben wahnsinnig viel erlebt und doch waren es „nur“ wenige Wochen.
Wir sind über die Schweiz nach Italien geradelt, haben uns wieder in die Alpen bewegt und haben Frankreich erlebt. Dann kamen wir nach Spanien, nach Mallorca und wieder zurück aufs Festland. Quer durch Andalusien sind wir nach Gibraltar gekommen – einen Tag in England. Es folgte die Fähre hinüber nach Afrika und da sind wir nun und radeln unserem Tourenziel entgegen.
Wir haben es in vollen Zügen genossen – nicht immer – aber überwiegend. Wir haben stets darauf geachtet, ruhige Straßen zu finden. In der Schweiz und auch in Frankreich war das sehr einfach. Da werden wir sicherlich noch einmal mit dem Rad Urlaub machen.
In Spanien ist es nicht ganz einfach mit dem Fahrrad. Meist bewegt man sich auf Straßen, auf denen auch Autos fahren und so muss man immer achtgeben. Das gleiche in Marokko. Dort ist es wahrlich keine tolle Sache, mit dem Rad unterwegs zu sein. Wie auch in Spanien gibt es nur „wenige“ Straßen, so dass man kaum ausweichen kann. Es gibt wenig Hotels und Versorgungsmöglichkeiten, das erschwert das Radfahren ungemein.
Aber: Ende gut alles gut. Wir haben unser Ziel in Bälde erreicht. Es ist uns nichts passiert und bis auf das Problem mit dem Bremshebel hatten wir keinerlei Schwierigkeiten mit unseren Fahrrädern. Wir haben nur einmal Luft nachpumpen müssen. Das ist wirklich sehr sehr angenehm.
So fahren wir also dem Ziel entgegen und freuen uns darauf.