Frau Dr. Faust macht Innovation

… sagte Herr A zu Herrn B in Berlin beim Frühstücksbuffett und sprach über den Vortrag der als Nächstes folgen sollte.

Allem Anschein waren es Bankleute, die sich zum Gedankenaustausch in Berlin getroffen hatten.

Ja – Innovation als Vortrag dachte ich mir, daß ist typisch deutsch. Statt Innovation auszuprobieren oder einfach nur zuzulassen, lässt man darüber dozieren.

Dabei haben wir es so unendlich nötig, dass sich in diesem Land etwas bewegt. Wir sind ja nun mit dem Radel unterwegs – in den letzten 2 Wochen haben wir dabei knapp 1000 km geradelt und viel gesehen. So z. B. dass in diesem Land alles, wirklich alles auf den Autoverkehr zugeschnitten ist. Deutlich merkt man es an Städten wie Berlin oder Dresden aber auch auf dem Lande. Die direkte und kürzeste und einfachste Verbindung ist die Autostraße, auf der es faktisch nie Platz für Fahrräder gibt. In Städten gibt es dann schlichtweg keine Parkplätze für Fahrräder. Für Autos gibt es alles und noch viel mehr.

Wenn wir beispielsweise unser Rad in Dresden sicher einstellen wollen, um die Altstadt zu besichtigen, dann gibt es kein Angebot – nicht eine – klitzekleine abschließbare Fahrradgarage. Wir haben jede Menge Gepäck dabei und dieses gilt es eben sicher zu verstauen. Aber keine Chance!

Damit nicht genug – alles hängt in Deutschland am Auto und dessen Fertigung. München, Stuttgart, Ingolstadt und Wolfsburg gehören zu den reicheren Gegenden, weil es hier Autoindustrie gibt. Nicht zu vergessen, dass Hundertausende in der Zulieferindustrie ihre Brötchen verdienen. Alles ist Auto in Deutschland.

Die CO2-Diskussion zeigt nun endlich, dass es so nicht weitergehen kann und wird. Statt neue Ideen zu haben und umzusetzen, konzentrieren wir uns in D darauf, Bestehendes festzuhalten – mit aller Kraft und bisweilen auch krimineller Energie (Diesel Abgasskandal!).

In den Urlaub wird geflogen oder mit dem Auto gefahren. Tirol wehrt sich nun endlich gegen diesen Autowahnsinn – endlich.

Ach ja – was wir verschlafen haben, weil wir ständig aufs Auto schauen: Das Internet und die Digitalisierung. Wir sind ja mit dem Fahrrad schon in ganz Europa unterwegs gewesen und nirgends – nicht mal in Albanien (!!!) gibt es ein so mieses mobiles Internet wie in Deutschland. In Städten funktioniert alles ganz prima, ebenso auf Autobahnen, aber wehe, wenn man ländlich unterwegs ist, wie wir es mit dem Fahrrad tun. Sollte irgendwo unterwegs ein Problem auftreten, dann kann man faktisch sein ganzes Geld darauf verwetten, dass mobiles Telefonieren nicht funktionieren wird.

Wenn wir unterwegs versuchen, Bilder, Texte oder Videos von unserer Reise hochzuladen, dann müssen wir in zwei von drei Fällen das Smartphone wieder wegstecken, weil es nur EDGE (E) oder eben noch weniger gibt.

Alles was Rang und Namen hat im Bereich Technologien des 21. Jahrhunderts kommt aus den USA: Google, Apple, Facebook, Twitter, Amazon, Microsoft, etc.

Ich habe vor knapp zwei Jahren ein Buch geschrieben („Das Internet frisst seine Kinder – Chancen und Risiken der Digitalisierung“), in dem ich diese und andere Themen aufzeige und daraus schlussfolgere, dass wir an einer Zeitenwende stehen und das in Deutschland gründlich verpennen, weil wir so auf das Bauen von Autos fokussiert sind und keinerlei Innovation mehr stattfindet. Mittlerweile zeigen uns zudem die Amerikaner und Asiaten wie das mit der E-Mobilität geht.

Gerne hätte ich mir den Vortrag von Frau Dr. Faust zum Thema Innovation (vermutlich für das Bankenwesen) angehört. Aber ich war kein geladener Teilnehmer.

Stattdessen haben wir (Simone und ich) unsere Drahtesel gepackt, um Berlin mit dem Radl zu erkunden – CO2-schonend, und in jeder Hinsicht ein Erleben.