Italiens Fieberkurve

Wir sind zwei Menschen, die Italien vor Covid-19 viel bereist haben. Schon in jungen Jahren waren wir hier oft zu Gast, nicht mit dem Fahrrad, aber wir kannten bereits viele Teile dieses Landes. Mir ist während dieser laufenden Pandemie etwas aufgefallen. Früher war es so, dass je mehr Touristen eine Region hatte, desto nerviger, lauter und quirliger waren die einheimischen ItalienerInnen. Es war, wie wenn sie gegen die Massen der Touristen anschreien, angeben, anrennen, übertönen müssten. Wie im Fieber kamen die Städte, die Regionen, die Bevölkerung nicht zur Ruhe, nicht einmal nachts um halb vier. 

Vor einem Jahr, mit fehlenden Fremden im Land, sind sie stiller geworden, die Temperatur des Temperaments war gesunken auf ein, wie ich finde, normales Niveau. Jetzt, wo alles wieder im Begriff ist, hochzufahren, merkt man, dass die Menschen wirklich genervt sind gegenüber dieser wieder steigenden Touristenwelle. Vielleicht merken sie jetzt erst, dass das Tempo zu hoch und die Touristenmassen (speziell aus Asien, Amerika und Russland) zu viel waren, zu viel werden, zu viel sind. Sowohl für das Land als auch für die Menschen. Können sie aber gar keinen anderen Weg mehr gehen, als wieder „Fieber“ zu bekommen? Oder finden sie vielleicht, dass sie nicht mehr so viel davon brauchen und trotzdem genug haben? Es bleibt spannend…

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