Über simone

Journalistin, Grafik-Designerin, Fotografin, Bloggerin, Radverrückte

Ziel Bari – Ende Kulturradreise 2017

Mit diesem Foto endet nun der Blog, wer möchte, kann gerne noch Wünsche, Glückwünsche, oder auch konstruktive Kritik anbringen! Wir werden noch darauf antworten, ansonsten schließen wir mit diesem Foto unsere Berichterstattung.

Vielen Dank an alle, die uns unterstützt haben. Machtses Guad ! Ride on!

Die Städtchen

vor Bari Sind sauber, und aufgeräumt. Überall gibt es historische Plätze und Zentren. Alles wird für Ferragosto (Maria Himmelfahrt) den 15. August hergerichtet. Die Dekoration sieht aus, wie bei uns die Weihnachtsbeleuchtung.
Wenn dieser Tag kommt, ist hier Hochsaison, d.h. noch mehr Italiener wie sonst schon. Die Strände sind überfüllt und auch die Lokale! Darum machen wir uns jetzt dann bald vom italienischen Acker.


Das Werbeposter

„G-AA-RRR-G-AA-NN-OO ! Papi, wo ist das?“ Ich bin sechs Jahre alt und betrachte ein DIN A2 großes Werbeposter, das an der Türe meines Vaters Büro angebracht ist. Darauf ist eine Höhle im Meer zu sehen, umgeben von Pinien, im Hintergrund lugen ein paar Wohnwägen hervor. „Schön ist es da, da möchte ich hin!“ plärre ich. „Zu weit weg!“ antwortet mein Vater darauf stets knapp.

Dazu muss man wissen, dass wir eine waschechte Camperfamilie waren, meine Eltern fuhren mit drei Kindern regelmäßig mit dem Wohnwagen nach Italien in die Ferien. Aber zwei Tage durchfahren mit dem Auto und Wohnwagen, drei Kinder im Gepäck? Das war meinem Vater wohl zu viel. Doch er träumte ständig von Naturplätzen, reiner Luft und schönen Stränden und er suchte mit dem Finger auf der Landkarte nach den solchen. Den Gargano zu bereisen, das war ein großer Traum von ihm.

Heute, 40 Jahre später, stelle ich mir die Frage, ob es ihm hier wohl gefallen hätte, auf dem Gargano und ob sich die weite Fahrt hierher gelohnt hätte? Nun, unser erster Eindruck ist, dass der Naturpark verschmutzt wird durch Plastikmüll und allerlei anderem Unrat, Gepflegt wird er auch nicht. Die Flächen werden landwirtschaftlich intensiv für Oliven, Schafzucht oder Weinreben benutzt. Dazwischen befinden sich massenweise „schlechte“ Campingplätze und viele „Billigurlauber“, anders als man das von Oberitalien kennt. Seitlich wird der Müll gelagert, am kleinen Pool mit gefühlt tausend Kindern wird laute Musik gespielt.

Ein LKW-Fahrer wirft vor meinen Augen eine brennende Zigarette auf die Straße. Es wird das Essen auf Plastikgeschirr serviert. Die Fassaden der Städte sind heruntergekommen, Kultur wo? Entweder war das schon immer so oder der kleine Sporn Italiens hat schon mal bessere Zeiten erlebt.

Ja, ich will nicht alles schlechtmachen, es hat schon irgendwie Charme, auch ist es grün an den Hängen und das Meer ist blau.

Aber was würde ich heute (als Radreisende) meinem Vater sagen, wenn er noch leben würde? Ich glaube, ich würde sagen: die weite Fahrt mit dem Wohnwagen und drei Kindern lohnt sich nicht…

Gestern haben wir mit Rieti ja offizielll die Route des Franziskusweges, der uns bestens vertraut ist, verlassen. Die Abruzzen und die Stadt L´Aquila ist für uns völliges Neuland. Als wir auf dem Domplatz ankamen, waren wir erstmal geschockt! Die ganze Stadt eine einzige Baustelle! So hatten wir es nicht erwartet. Wir waren beide wirklich von den Socken, so eine große Stadt zu sehen, die immer noch wie von Christo eingehüllt zu sein scheint. Und das nach fast neun Jahren des verheerenden Erdbebens. Alle wichtigen Bauwerke, Kirchen, der Dom, die Einkaufsmeile – alles verhüllt, gestützt, weil kaputt. Die Verhüllungen zeigen manchmal die Bauwerke in 2D-Ansicht, reduziert auf Fenster und Türabbildungen, farbige Textilien, was die ganze Szene noch skurriler erscheinen lässt. Die Stadt ist menschenleer, nur hie und da lugt ein Bauarbeiter mit einem bunten Bauhelm hervor. Es ist wie in einem komischen Traum, nicht mal ein gut gemachter Science Fiction Film könnte so eine Stimmung abbilden.

Abends essen wir in einer Trattoria, seitlich ist sie ist eine Ruine. Gegenüber steht ein Geisterhaus, es ist leer und die Fenster gestützt. In der Trattoria, wie tröstlich, ein paar Menschen, die sich wie wir am leckeren Essen freuen.

Auf dem Heimweg aber erwachten einige Plätze zwischen den Ruinen zum Leben! Wider Erwarten wird gelacht, gefeiert, spaziert! Und das zwischen den gigantischen Baustellen…Das Leben geht für die Menschen in L´Aquila normal weiter – unvorstellbar – aber andererseits – warum nicht?

Unser lieber Freund Bruder Thomas hat in der Basilika San Francesco von Franziskus erzählt. Dieser hatte in der verfallenen Kapelle in San Damiano eine Jesuserscheinung, in einer Baustelle! Nicht irgendwo in einem gigantischen Dom, an einem super spirituellen Ort, nein, in einer Ruine spricht Jesus zu Franziskus vom Kreuz.

In L´Aquila wird mir klar: das Leben ist eine Baustelle. Eine Baustelle ist wie ein Durchgang zu einer neuen Existenz. Aus der kleinen Baustelle San Damiano ist etwas Großes entstanden, Franziskus hat viele Spuren hinterlassen. L´Aquila wird auferstehen und schöner sein als je zuvor. Ja, und das Leben oder eine Reise geht auch mit und gerade wegen Baustellen weiter. Und wer weiß, was aus den eigenen Baustellen einmal entsteht….?

Unterschlupf im Supermercato

Während draußen ein heftiges Gewitter mit Hagel und Sturm tobt, haben wir wieder einmal Unterschlupf, diesmal in einem großen Supermarkt, gefunden.
Hier können wir unseren Bedarf an Batterien, Schokolade – und wenn wir Lust hätten, auch an neuen Fahrrädern decken.

Chiesa Rivotorto in der Ebene

Steil geht es von Assisi hinab den Berg in die Ebene zu der Kirche Rivotorto. Man muss sich vorstellen, dass zu Franziskus Zeiten die Ebene recht sumpfig gewesen sein musste. Hier war offensichtlich der Ort, in dem man Aussätzige verbannt hat. Franziskus hat sich hier her gewagt, viele Erkenntnisse folgten daraufhin.

Es entstand hier eine kleine Ordensgemeinschaft und es lebten lange Brüder an diesem Platz. Die kleinen Häuschen sind heute mit einer großen Kirche überbaut, die den Bau schützen. Hier ist auch die Ordensregel von Franziskus ausgestellt, und die Geschichte des Ortes wird erklärt.