Italien – Alles auf Anfang?

So stelle ich mir Italien vor, wie es einmal gewesen sein könnte, bevor der Tourist wie eine Heuschreckenplage das Land überflutete. Schon als ich klein war, ging es hier turbulent zu. Die Italiener überboten sich gegenseitig mit ihrem Geschrei auf der Straße. Ich empfand Italien immer lauter, je älter ich wurde. Und voller. Die letzten Jahre waren fast nur noch amerikanische Stimmen vom Touristenvolk zu hören. Und dagegen schrien die Italiener förmlich an.

Jetzt, wo sich nur wenige Ausländer ins Land wagen, aber sich das öffentliche Leben weiter an die Normalität annähert, erlebt man einen Italiener, der zwar lebenslustig ist, aber nicht übertrieben laut. Es fühlt sich an, als ob sie demütiger und aufmerksamer geworden sind, was sie selbst und ihr Land/ihre Stadt betrifft. Aber was ist denn heutzutage „normal“? Ich glaube, die heutige Generation der Italiener sind es schon gewöhnt, sich zwischen der Flut der Touristen zu bewegen. Und ja, das Geld ist meist leichter verdient. Aber stimmt das wirklich? Jetzt unter sich zu sein aber, scheinen sie zu genießen, ja, sie atmen trotz Masken förmlich auf und durch. Freier…

Ja, wir sind auch Touristen, das ist schon richtig. Aber wenn es in Zukunft mehr Radtouristen wie uns gäbe, dann wäre es hier auch friedlicher, demütiger. Als Radfahrer ist man durstig und hungrig und man hat Italien unter Tags schon inhaliert, die Natur, die Menschen. Da braucht man abends nicht mehr herumlaufen und sich lauthals durch die Straßen bewegen.

Schloss Besuch in den Bergen

Wir fahren an einem alten Castello vorbei. Man kann es von innen besichtigen. Vor drei Jahren waren hier sehr viele Amerikaner und besichtigen das Schloss. Alle fuhren mit Bussen oder Mietautos hierher, sonst gibt es hier aber nichts zu sehen.

Heute besuchen ausschließlich Italiener das Schloss. Sie scheinen die Ruhe zu genießen und ihre eigenen Schönheiten zu bewundern.

Mantua bis Bologna

Die Poebene haben wir uns gespart. Sind wir doch 2013 und 2017 schon durch diese heiße und schwüle Mücken-Gegend geradelt. So stiegen wir in Mantua in den Zug und bewegten uns 1,5 Stunden weiter nach Süden. Im Zug war alles okay, jeder zweiter Platz wird freigelassen und die Leute tragen diszipliniert die Masken.

Jeder schaut auf den anderen und dass nicht zu genügend Abstand gehalten wird. Auch unsere Fahrräder finden einen modernen Platz. Hier im Zug kann man auch Elektrofahrräder laden, was uns sehr beeindruckt. Ist es doch fortschrittlicher als in Deutschland. Einzig der Platz (eine Bucht für drei Fahrräder) ist ein bisschen knapp berechnet.

Wir fühlen uns sicher und steigen wohlbehalten in Bologna aus. Jetzt geht es noch 25 km Richtung Pistoja an einem Fluss sanft bergauf.

Traumhaftes Panorama

Auf dem Inntalradweg ist es totenstill. nur der Inn saust den Berg hinab und rauscht dabei. Weder normale Radfahrer noch Tourenradfahrer sind unterwegs wie sonst auf der Via Claudia Augusta. Wir haben die Landschaft einsam und die Sonne scheint, als ob sie es nur für uns beide tut.

Österreich: Mundschutz und Abstand ? Nein danke

Wir verließen gestern Bayern und waren schon gespannt auf die Corona-Regelungen in Österreich/Tirol, denn es wurde uns schon „vorgeschwärmt“ wie locker es hier zugehen soll. Mundschutz? Brauchste nicht. Abstand? Empfohlen ja, eingehalten eher weniger. Adresse beim Essen aufnehmen? Fehlanzeige.

Offener Poolbereich und Fitnessstudio. Nur dezente Hinweise auf Abstand und dass nicht kontrolliert wird. Keinerlei Tischabstände von mind. 1,5 m. Offenes Buffet ohne Mundschutz für alle am Abend und zum Frühstück. Dafür wundern wir uns nicht schlecht, dass Einmalhandschuhe angeboten werden, die auch rege angenommen werden. Ein Koch hustet in meine Richtung, nicht in die Ellenbeuge, versteht sich (Wo bleibt die Etikette, frage ich mich?) Ah, da kommt sie: „Sorry, dont worry, no Corona“…

Es scheint, als ob für die Gastronomie und Hotellerie die Corona-Krise nicht mehr existiert…? Ich habe einige Bauchschmerzen bei dem Gedanken, wie das die nächsten Wochen werden soll, wenn Urlauber die Berge fluten, was viele zweifelsohne jetzt schon mit ihren Autos tun. Das scheint mir ein Tanz auf der österreichischen Rasierklinge, so viele Ausländer, die jetzt richtig gierig nach Urlaub, guter Laune und Geselligkeit sind, zu beherbergen, ohne strenge Hygieneregeln in den Hotels und Gaststätten, die z.B. Deutschland ja nerven und das Urlaubsgefühl trüben. Wer will schon mit OP-Maske in Abendrobe ausgehen?

Tirol wirkt abhängig vom Massentourismus und deshalb werden sie ihren Gästen auch Urlaub von Corona bieten müssen – und das kommt an! Wir wünschen von Herzen, dass alles gutgehen wird, fühlen uns aber schon etwas unwohl bei so viel plötzlicher Nähe.

(Bild: Österreichische Corona Warn-App)

Ankunft in Biberwier

Nach einer weiteren anstrengenden Tagesetappe kommen wir an unserem Zielort an. Natürlich regnet es und wir stellen entsetzt fest, dass wir noch niemals trocken über den Fernpass geradelt beziehungsweise gelaufen sind.

Am Campingplatz alles normal?

Ein paar Kilometer weiter südlich liegt Utting und der dazugehörige Campingplatz. Hier drängen sich die Leute am Strand und es ist für einen Wochentag wahnsinnig viel los. Offensichtlich wiegen sich die Leute in Sicherheit vor Corona, wenn sie zum Camping fahren und darum tun sie das alle.

Wir haben aber den Eindruck, dass viele einfach nur mit dem Auto hin und her fahren, um ein Gefühl von Normalität zu haben. Die Straßen sind voll, voller Autos!

Hörbach Wendepunkt im Lockdown

Als wir im April die Ausgangsbeschränkung hatten, war das Wetter genial. So fuhren wir mit dem Fahrrad stets bis hierher, aßen unsere mitgebrachte Brotzeit auf den Bänken, ruhten uns aus und besichtigten die Kirche. Im Inneren ist ein Kruzifix aus der Zeit um 1500 zu bewundern. Auch so ist das Dorf selbst sehr entzückend und immer eine kleine Reise wert.

Hörbach hat übrigens im Jahr 2000 „unser Dorf soll schöner werden“ den Bezirksbescheid mit Gold und 2001 Silber den Landesentscheid gewonnen.

Heute drehen wir nicht wieder Richtung Heimat sondern fahren über diesen Punkt hinaus. Für uns beginnt jetzt die Reise!

Machmut das Maskottchen

Heute stelle ich euch kurz vor der Reise unser Maskottchen 2020 vor. Wie wir bereits veröffentlicht haben, hatten wir eine Retrotour nach Istanbul zum 10jährigen Jubiläum geplant.

Durch Zufall entdeckten wir im zeitigen Frühjahr bei einem Spaziergang durch Augsburg dieses Mammut. Unser Programmierer Lars mit seiner Familie war dabei (sie waren auf Urlaub im bayerischen) und wir verliebten uns alle sechs in dieses historische Rindvieh.

Dafür, dass es für die Türkei ein Maskottchen sein sollte, hat es damals sofort diesen türkischen Vornamen mit dem wunderbaren Wortspiel von uns erhalten. Nachdem nun Machmut uns aber ins Blaue Glück bringen muss, passt der Name in Corona Zeiten auch gut.

Auf das er uns Glück bringt, und Mut macht, egal wohin die Reise geht und wann sie enden wird!

PS um Kommentaren vorzubeugen:uns ist schon bewusst dass man Machmud normalerweise mit d schreibt der Name Machmut ist von uns bewusst erfunden …