Ravenna bis Rimini – weniger Deutsche?

Wir fahren den ganzen Tag am Meer entlang und treffen keinen einzigen Deutschen. Es ist Wochenende, die Italiener haben alles eingenommen, Strand, Bars, Parkplätze. Sie sind unter sich. Es fühlt sich so an, als ob die Deutschen hier keinen Urlaub mehr machen (möchten). Es ist Juli! Nun, vielleicht fehlen noch die Urlauber der Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern? Mittlerweile sind es schon fast zwei Generationen nach mir, die als Kinder hier ihren Urlaub verbringen könnten. Zu meiner Zeit waren auch viele Norddeutsche da und genossen Sonne, Sand und Meer.

Einerseits finde ich es gut, dass Italien authentischer, italinenischer geworden ist. Nicht mehr „Man spricht Deutsch“, sondern „Parla Italiano“! Kein Snitzel mit Pommes sondern Antipasti, Carne, Gelati! Aber für die Italiener ist es sicher ein – zumindest – finanzieller Verlust, dass „wir“ nicht mehr kommen. Unzählige Betonbauten sind verlassen, Hotels verschlossen, Fassaden ungepflegt, Ferienwohnungen leerstehend. Offen gestanden finde ich es hässlich, links der Strand (toll, breit, weiß, gepflegt), zugestellt mit Sonnenschirmen, die Straße, auf der wir fahren, und viele stinkende Autos mit uns – rechts von uns Hotels und Ramschläden ohne Baum und Strauch, und das, soweit das Auge reicht. Es ist aber nicht viel anders wie überall an Europas Stränden. (Es ist aber sehr sauber und gepflegt.)
Wo macht denn der Deutsche dann Urlaub? Vor zwei Tagen rief ein Geschäftskollege an und verabschiedete sich für zehn Tage in Urlaub: Bali… Wahnsinn! Für so wenig Zeit so einen weiten Weg plus Zeitverschiebung in Kauf zu nehmen? Wo man hier doch das gleiche erhält: Sonne, weißen Sand, Alkohol, Party und Meer…
Nun, vielleicht suchen wir Deutschen immer noch nach dem letzten Paradies auf Erden. Ich habe schon viel gesehen, und ich stelle fest, dass, wo auch immer wir Deutschen auftauchen, uns ein Betonparadies mit allen Annehmlichkeiten des urbanen Lebens hingestellt wird, ob das nun Jesolo, Côte d’Azur, Caorle, Rimini, Kreta, Mykonos, Teneriffa oder Antalya ist. Und wenn alles fertig zubetoniert ist, gefällt es uns nicht mehr, weil es nämlich kein Paradies mehr ist und wir fahren nicht mehr hin, suchen woanders.
Schade um die Küsten auf Bali, Langkawi, Malediven, Seychellen, Albanien, Neuseeland…

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2 Gedanken zu „Ravenna bis Rimini – weniger Deutsche?

  1. Hallo Simone,
    Dein Bericht über diese Ferienregion ist sehr treffend und stellt die Situation sehr gut dar. Die Tourismus-Manager, der von Dir besuchten Region, sollten dieses Feedback der Basis lesen, verstehen und Gegenmaßnahmen einleiten. So kann die Umwelt dort vor Ort und auch die Umwelt allgemein durch die Reduzierung des CO2-Ausstoßes,bei den sonst fallenden weiten Flügen, verbessert werden. Gut beobachtet beim Radeln in den tropischen Temperaturen !

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